Mehr Tage im Februar / Das Ego überwinden / Eine teure Handtasche

links Der Februar als der kürzeste Monat im Jahr macht noch ein bisschen mehr Stress als andere Monate – er ist so schnell vorbei. Darum wünschte sich die Dame mehr Tage für den Februar. Und sie war so nervös. Offenbar viel zu beschäftigt mit viel zu vielen höchst wichtigen Dingen. Da bin ich verständnisvoll und auch fast nicht beleidigt, dass sie nicht mal die Minute Zeit für eine kurze Antwortmail auf meine Wunschbildvollzugsmeldung

fand. (Mehr Tage im Februar 2018, Aquarell + Tusche auf Papier, Din A2)

 

mitte So ein Ego ist meiner Erfahrung nach ein eher wehrhaftes Etwas. Nicht kuschelig. Und wer könnte ein Ego bekämpfen? Vielleicht doch besiegen? Dauerhaft überwinden? Meine Wahl fiel auf den kleinen schmächtigen Typen, der sich schnell bewegt – auch im Kopf - und vor dem Schlagabtausch erst mal charmant plaudert, den Druck aus der Situation nimmt und mit feinem Witz das dicke böse Ego bezaubert. Wer könnte widerstehen? (Das Ego überwinden 2015, Aquarell + Tusche auf Papier, Din A2)

 

rechts Frauen, Handtaschen und Wünsche – was für ein schönes, oft genutztes Klischee! Ich gestehe, dass auch ich nur allzu gerne Handtaschen, auch sehr exklusive und vor allem teure sammeln würde, nur so zum Spaß. Aber: meine Sammlung von Stoffbeuteln aller Art aus den letzten drei Jahrzehnten auch ziemlich beeindruckend. (Eine teure Handtasche 2014, Aquarell + Tusche auf Papier, Din A2)

 

Wenn sehr reiche Leute einen Wunsch verspüren sollten, steht ihnen ein Millionenheer von Servicedienstleistern zur Seite. Sehr reiche Leute müssen sich nicht mit Bildern ihrer Wünsche zufrieden geben. Sie kaufen ein. Ganz einfach. Ich mache also Kunst für Arme. Klingt das glamourös? Wohl nicht. Langsam verstehe ich, warum meine Bekannten mit unkündbaren, regelmäßigen und durchaus ordentlichen Einkünften mir ihre Wünsche lieber nicht verraten. Dann können sie sich später auch nicht genötigt fühlen, mir ein Bild abzukaufen. Ich verstehe.

Wer macht eigentlich sonst noch Kunst für arme Leute? Tätowierer? Primark? RTL? Die Entwickler von Spielen wie z.B. Candy Crash? Dekoartikelverkäufer mit asiatischen Produktionsstandorten? Arschgeweihtätowierer doch auf jeden Fall!

 

Haben Sie auch einen Wunsch, mit dem ich mich beschäftigen sollte? Ich sammle weiter Wünsche. Auch Ihren. Nur Mut!

Kirsten Klöckner

Fenster3/Oktober2018

Schafe / Eine kleine Katze / Wertschätzung

links Wer gern strickt und naturverbunden ist, der wünscht sich Schafe - viele Schafe. Gern. Bäh. 1 Schaf, 2 Schafe, 3 Schafe, 4 Schafe, 5… Es gibt auch andere Garne – aber nichts geht über diese seit Jahrhunderten erprobten Naturmaterialien. Wer kann noch stricken?(Schafe 2016, Aquarell + Tusche auf Papier, DinA2)

 

mitte Der kluge belesene Mann wünschte sich erstaunlicherweise eine kleine Katze. lch hatte auf der Stelle die Vorstellung einer Wohnung, vollgestopft mit Regalen, die fast unter der Bücherlastzusammenbrechen. Wo wäre da Platz für so ein Wesen wie eine kleine Katze? Ichmusste also erst mal Platz schaffen. Ein Suchbild. (Eine kleine Katze 2015,Aquarell + Tusche auf Papier, Din A2)

 

rechts Der Wunsch hatte eigentlich nicht unbedingt mit Likes in sozialen Netzwerken zutun. Es ging eher um dieses seltsame Real Life. Wo ist eigentlich die Verbindungstür zwischen den virtuellen Bestätigungsritualen und dem, was nachhaltig den Lebensmut stärkt, Freundschaft spüren lässt und auch die Brötchen bezahlt? So genau weiß ich das leider auch nicht, aber ich werde weiter danach suchen. (Wertschätzung 2018, Aquarell + Tusche auf Papier, Din A2)

 

Was nicht verwundert: Tiere werden häufiger gewünscht. Meist Hunde und Katzen. Einen Affen und einen Elefanten gab es auch – natürlich von Kindern. Übrigens: ich warte immer noch auf die weniger gängigen Tierwünsche. Will denn niemand Küchenschaben? Das Problem mit der Wertschätzung, die so häufig fehlt, ist ja in vielen Wünschen versteckt, und vielleicht auch in den Tierwünschen? Wie meine Oma, die stolze Fleischereifachverkäuferin, immer sagte: „seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere.“ Sie aß trotzdem gerne viel Fleisch. Schweine und Rinder und Hühner waren offenbar nicht die Tiere, die sie meinte. Manche leben ihre Tierliebe als Veganer aus. Ich bin unentschieden und bleibe vorerst bei meiner Vorliebe für Menschen, jedenfalls was das Soziale betrifft.

 

Haben Sie auch einen Wunsch, mit dem ich mich beschäftigen sollte? Ich sammle weiter Wünsche. Auch Ihren. Nur Mut!

Fenster2/September2018

Kirsten Klöckner

Der Tod soll sterben / Aufwachen / Schlagfertigkeit

links Die Kunstmesse als Jagdgebiet für Wünsche. Auch in Karlsruhe. Der höchst lebendig wirkende, nicht mehr ganz junge Herr antwortete spontan. Der Tod soll sterben. Gelacht hat er dabei, mir seine Mailadresse diktiert und weg war er. Ob er sich drei Minuten später noch an mich und meine Frage nach seinem Wunsch erinnerte? Bestimmt nicht. Und der Wunsch, so knallig rausgehauen? Ja, dachte ich. Oder doch nicht? Ein paar Wochen später, das Bild war längst fertig, habe ich in einem Krankenhaus in Köln diesen Wunsch ein bisschen besser verstanden. (Der Tod soll sterben, 2018, Aquarell + Tusche auf Papier, Din A2)

 

mitte Im Vorbeigehen meine Frage, der Mann bleibt kurz stehen, und formuliert ganz ernsthaft: Wir müssen aufwachen. Ein Wunsch also in Vertretung für alle anderen. Ich dachte natürlich zuerst an einen politischen Zusammenhang. Haben Sie im Internet auch schon mal das Wort "Schlafschafe" gelesen? Fühlten Sie sich angesprochen? Ich nicht. Trotzdem halte ich aufwachen für eine gute Idee. „Guten Abend, gut' Nacht, mit Rosen bedacht, mit Näglein besteckt, schlupf unter die Deck. Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt, morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt.“ Erinnern Sie sich an die Melodie? (Aufwachen 2018, Aquarell + Tusche auf Papier, Din A2)

 

rechts Die Bosheit zertrümmern. Was locker ist, festklopfen. Schnell denken. Noch schneller sprechen. Reagieren. Agieren. Alles andere als wehrlos sein. Sie wünschte sich mit leiser Stimme Schlagfertigkeit. Ich wünsche ihr das auch. Es geht ums Ganze. Was mich stolz macht ist der Gedanke, dass mein Bild von ihrem leisen Wunsch seither ihren Alltag begleitet. (Schlagfertigkeit 2015, Aquarell + Tusche auf Papier, Din A2, als Druckgrafik erhältlich)

 

Sie sehen hier das Fenster meines Ateliers in Berlin. Dahinter male ich die Wünsche anderer Leute. Das mache ich gern. Jeder neue Wunsch bringt meine Arbeit in einen neuen Zusammenhang, das ist anregend, manchmal quälend, aber der Moment, in dem ich endlich ein Wunschbild für fertig halte ist wunderbar. Wenn ich dann noch ein Feedback bekomme, kann ich nicht anders als meine Arbeit für sinnvoll zu halten.

 

Haben Sie auch einen Wunsch, mit dem ich mich beschäftigen sollte? Ich sammle weiter Wünsche. Auch Ihren. Nur Mut!

 

Fenster1/Sptember2018

Kirsten Klöckner 


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