Eine Mappenpräsentation im kleinen Kreis statt einer Ausstellung?

Macht das Sinn?

 

Kirsten Klöckner meint: "Ja, unbedingt."

 

Das Projekt „BeuteKunst“ der Berliner Künstlerin Kirsten Klöckner ist darauf aus, in direkte Kommunikation mit den Betrachtern einzugehen. Das Bedürfnis nach Kommunikation über künstlerische Inspiration, welche die Arbeit Klöckners seit 2011 prägt, wird hier ganz konkret. Mit einer Mappe voller Aquarelle reist Klöckner durch die Republik. Sie zeigt ihre Arbeiten und bietet den Anwesenden die Möglichkeit, sich über die entstandenen Bilder auszutauschen. Das erzeugt rege Diskussionen, macht Spaß, ist verblüffend nicht nur für die Gäste sondern auch für die Künstlerin. Anstelle einer eher stummen Ausstellungssituation entsteht, was eine Künstlerin sich für eine Vernissage wünschen würde: Gespräche über die Arbeit und nicht Gespräche über irgendetwas neben den Arbeiten. Anregungen, Kritik, neue Wünsche und der Verkauf der Aquarelle.

 

Blick in die Ausstellung, Städtisches Museum Eisenhüttenstadt
Blick in die Ausstellung, Städtisches Museum Eisenhüttenstadt

Zur Serie „BeuteKunst“

 

Bei „BeuteKunst I“, ab etwa 2011, ging es um Inspiration und Kommunikation im besten Sinne. Unbekannten Bildern eines DDR-Kunstarchivs wurden Details entrissen, um sie in die eigene Bildsprache umzusetzen. Die Inspiration wurde aus den Kunstwerken gezogen, Kommunikation entstand durch rege Diskussionen im eigens dafür erstellten Blog oder auf facebook. Zur Ausstellung erschien ein Buch, in dem sowohl der Arbeitsprozess als auch die Kommunikation darüber veröffentlicht wurden.

 

 

 

Blick ins Atelier, Berlin
Blick ins Atelier, Berlin
Matteo und sein Bild von Pandi, Akademie der Künste, Berlin
Matteo und sein Bild von Pandi, Akademie der Künste, Berlin

Für „Beutekunst II – Musenbesuch“ ernannte Kirsten

Klöckner Freunde, Bekannte aber auch ihr persönlich fremde Menschen zu Musen.

Sie malte ihre Porträts, aber auf eine Weise, die überraschte: Nicht äußerliche

Erscheinung wurde gezeigt, sondern das, was Klöckner mit dem Menschen in

Verbindung bringt, seine Handlungen, Ideen oder Vorlieben. Auch hier wurde diskutiert und kommentiert, auch diesmal erschien ein Buch und „BeuteKunst I+II“ wurden in einer großen Ausstellung in der Akademie der Künste, Berlin, gezeigt.

Kirsten Klöckner treibt diese Idee der offen „erbeuteten“ Inspiration, der Kunst für alle, der Kunst zum Mit-diskutieren, der Kunst als Kommunikation, immer weiter.

 

Präsentation der Wunschbilder in der Galerie im Stammelbachspeicher, Hildesheim
Präsentation der Wunschbilder in der Galerie im Stammelbachspeicher, Hildesheim

Im aktuellen Projekt „BeuteKunst III – Wunschprogramm“ fragt die Künstlerin Menschen nach ihren Wünschen. Der Blick vom gemalten Aquarell zurück zum Wunsch zeigt, daß die Künstlerin es sich keineswegs bequem macht. Ein übergroßes, stacheliges Etwas ist zu sehen, an den rechten Bildrand gedrängt ein kleines Männchen in roten Boxhandschuhen. Vielleicht käme man auf die Idee eines modernen Kampfes „David gegen Goliath“. Aber auf den Wunsch einer Person, sein Ego zu überwinden? Wie soll ein Ego gemalt sein, und wie dessen Überwindung? Klöckner erbeutet ganz offen Inspiration, kommuniziert darüber nach wie vor auf facebook und auf ihrer Homepage, setzt aber auch in dieser Serie das Gewünschte so um, wie sie es künstlerisch für richtig hält.

 

Mit dem „Wunschprogramm“ verhält es sich ähnlich wie mit dem Song „Wünsch DIR was“ der Toten Hosen. Das Lied trieft vor Ironie, aber aufgrund der Textzeile „es kommt die Zeit, in der das Wünschen wieder hilft“ deuten es die meisten Leute positiv.

 

Auch Klöckner sagt „Wünsch Dir was“, keineswegs ironisch sondern durchaus ernst gemeint. Doch, Ironie des Schicksals: der Wünschende darf und soll zwar seinen Wunsch äußern, kann sich aber keineswegs sicher sein, das Gewünschte auch zu bekommen. Manchmal ist er auch gar nicht zufrieden, wenn sich der Wunsch nach einem Stall voller Enkel zu einer etwas gruseligen Kinderhand inmitten von Kindernamen entpuppt. Wie bei den vorangegangenen Serien macht Klöckner kein Geheimnis daraus, woher sie ihre Inspiration nimmt, behält aber weiterhin ihre künstlerische Freiheit in der Umsetzung. Sie allein entscheidet, welchen Aspekt sie wählt und wie der Wunsch umgesetzt wird.

 

Claudia Jansen, Kunsthistorikerin M.A., Paris

 

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